Chemiepraktikum oder „wie quält man Medizinstudenten“

Es ist schwierig,das Chemiepraktikum zu beschreiben, ohne sich wieder in Rage zu reden… Zunächst mal zum Aufbau: Wir hatten an fünf Tagen je eine Versuchsreihe, mit der wir verschiedene chemische Eigenschaften von Stoffen herausfinden sollten. So weit, so gut. Die anderen hatten uns gewarnt, dass der Lebensinhalt der meisten Chemiker ganz klar „Medizinstudenten quälen“ ist. Hab ihnen erst nicht geglaubt, fand Chemie immer cool und mache gerne Versuche. Aber Pustekuchen! Es war teilweise sogar schlimmer als angekündigt, aber fangen wir mit den guten Tagen an.

Zuerst haben wir ASS synthetisiert, was ich immer wieder spannend finde (Ja ich weiß, ich werde dafür auch immer blöd angeguckt. Aber was solls…). Der Tutor war recht gelangweilt, aber hat alles super erklärt und größtenteils eigentlich auch jeder Zweiergruppe selbst den Versuch aufgebaut, wir mussten eigentlich nur noch gucken, was passiert. Das Protokoll sollte auch nicht sonderlich ausführlich werden, super! Der Tag war auch schon früh vorbei, sodass wir gleich noch das erste von zwei Testaten eingeschoben haben: Beide haben eine 3+ bekommen, damit bin ich zufrieden, hauptsache bestanden.
Es gab noch einen Versuch zum Lösungsverhalten verschiedener Stoffe, der nicht weiter spektakulär war: Stoffe zusammenkippen, Beobachtung aufschreiben. Waren nach zwei Stunden fertig und sind dann erstmal frühstücken gegangen (Hab ich schon gesagt, dass das Praktikum zur unmenschlichen Uhrzeit von 7.30 angefangen hat? Wir sind STUDENTEN!!! 😀 ). Ein dritter Versuch zur Polarimetrie ging noch schneller, danach zweites Testat: 1 bekommen. Guter Tag.

Aber die anderen beiden Versuche… ich mag gar nicht groß davon schreiben, sonst krieg ich Kreislauf. Bei dem einen Versuch hat der Tutor uns komplett alleine gelassen, Fragen hat er nur mit „da müsst ihr selbst drauf kommen“ abgewunken und der Ablauf war völlig unorganisiert. Das Ende vom Lied war, dass wir nicht fertig geworden sind, tausend Fragen hatten und unser Protokoll eher unterdurchschnittlich war. Aber egal, hauptsache bestanden.
Der letzte Versuch war okay, da war wenigstens der Tutor sehr nett und hat bei Fragen geholfen, wenn auch nicht direkt beantwortet. Aber das muss er ja auch nicht, man lernt ja immer noch besser, wenn man selbst drauf kommt!

Insgesamt waren wir alle froh, dass es vorbei war. Im Nachhinein denke ich, dass damit lediglich unsere Stressresistenz geprüft werden soll. Whatever.

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7 Gedanken zu „Chemiepraktikum oder „wie quält man Medizinstudenten“

  1. Chemie fand ich immer super! Allerdings war uns allen klar, dass das im LK kein Zuckerschlecken wird. Unsere Lehrerin hat uns dann zur Wiederholung auch die Bestandteile von „Schlonz“ rausfinden lasen… Und hatte sich einen Spaß dabei gemacht die Hälfte der Ionen zu maskieren. Das haben wir danach nie wieder vergessen 😀

    • Willkommen auf meinen Blog 🙂
      In der Schule fand ich Chemie auch toll, hatte aber nur GK und das bei einer Lehrerin, die mehr schlecht als recht ihr Examen bestanden hatte… Ja richtig, Ionen rausfinden sollten wir auch. Ich krieg schon wieder Blutdruck, wenn ich dran denke. Mache mir mal schnell nen Kamillentee… 😉

  2. Danke, danke 🙂
    So viel Chemie wird euch doch nicht mehr ereilen oder? *Eine Tasse Kamillentee reich*
    Bei uns ist es ja so, dass die meisten Chemie abgrundtief hassen und ich immer total entsetzte Blicke ernte wenn ich sage, dass ich Chemie LK hatte…
    Die sind alle so froh, dass Bauchemie kein Pflichtfach ist 😀

    • Jetzt haben wir Biochemie, das ist zwar wesentlich komplizierter, aber ich glaube gehört zu haben, dass das Praktikum nicht so schlimm ist. Kann aber auch Einbildung sein. *Kamillentee schlürf*
      Blöde Blicke kenne ich, ich hatte Philo im Abi 😉

      Bauchemie? Das gibt es? Was macht man da? 😀

      • Wilkommen in der Königsdisziplin der Chemie. Je nach dem auf welchem Niveau ihr das macht, kann es richtig schwer werden. Aber mir hat das auch mit Abstand am meisten Spaß gemacht. Das Zeichnen von Polysacchariden mit der Haworth-Projektion braucht halt ein gutes Vorstellungsvermögen und Übung.

        Ja, Bauchemie gibt es wirklich. Meistens beginnt man nochmal mit dem Wiederholen des Chemie Grundlagen damit alle auf einem Stand sind und dann geht es in die Baustoffrichtung: anorganische Baustoffe, Kunststoffe, chemische Schädigung von Baustoffen, Korrosionsschutz und Metallkorrosion.

        Jedenfalls war das das was ich in Bauchemie hatte 😀

      • Also ich finde: Extrem hohes Niveau. Aber wahrscheinlich sind die Prozesse im Körper für den gewöhnlichen BCler relativ simpel… Nobody knows. Auf jeden Fall müssen wir beschissen viel auswendig lernen… äääääätzend!

        Bauchemie klingt sogar interessant. 😉 Ich studier trotzdem lieber Medizin.

  3. Übrigens gibt Bauchemie auch nur 4 bis 6 LP (von normal 30 pro Semester).
    Je länger ich Bauing studiere, desto mehr fühle ich mich irgendwie mit den Ärzten verbunden. Es gibt das schon einige Parallelen, auch wenn jeder in seinem Bereich ist.
    Und wenn der Beton nicht so viele Luftlöcher hätte, würde Ultraschall bedeutend mehr Spaß machen 😀

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