Histotestat, Klappe die Dritte

Das dritte Histotestat war relativ schwer, obwohl das Thema gar nicht so schwer war eigentlich. Es ging um Blut, Blutgefäße und Atemwege und da kann man eigentlich alles ganz gut auseinanderhalten, wenn man sich anstrengt. Aber irgendwie war heute nicht so mein Tag glaub ich. Blut finde ich übrigens super interessant! Schade, dass das Thema jetzt auch schon wieder durch ist und wir zum Lymphatischen System übergehen.

Das Biochemie-Seminar wird auch nicht wirklich besser. Bis jetzt hatte ich ja einfach nur nicht so richtig viel verstanden, weil ich nicht wirklich vorbereitet war. Aber heute hatten wir dann bei einer Dozentin, die sich selbst überhaupt nicht auskannte und auch Fragen einfach völlig sinnlos beantwortet hat. Das ist in etwa wie „Sind alle Äpfel rot?“ „Nein, Birnen sind grün!“. Ätzend sowas, gebracht hat es nichts außer verschwendeter Lebenszeit… Naja, ich werd mich dann mal auf Anatomie vorbereiten und wünsch euch eine angenehme (kurze) Woche!

Warum nochmal wollte ich Medizin studieren?

„Und, macht das Studium noch Spaß?“ „Ja Oma/Mama/die andere Oma/die Kumpels aus der Heimat/der Chef, natürlich macht es Spaß“

Wie ich diese Frage nicht mehr hören kann. JA, generell macht studieren Spaß, weil ich meinen Traum verwirklichen kann und höchstwahrscheinlich irgendwann Ärztin bin. Aber warum fragen mich die Leute ernsthaft alle zwei Wochen, ob es noch Spaß macht? Das Semester ist jetzt drei Wochen alt und ich musste bis jetzt zwei Vorträge halten und mich auf das Testat am Montag vorbereiten. Nebenbei ist Biochemie saumäßig viel, Psych/Soz voll für den *rsch und Anatomietestat ist auch bald wieder. Nein, das macht nicht so wirklich Spaß, vor allem wenn dann noch ordentliches Sozialleben von einem erwartet wird. Aber das kann man ja auch keinem sagen, dann kommt ja eh nur wieder „Du hast es dir ja ausgesucht“. Ja habe ich, aber motzen wollte ich jetzt einfach auch mal… So, jetzt geht’s mir wieder besser. Danke für die Aufmerksamkeit.

Und nun zu dem, was ich eigentlich die letzten drei Wochen so berichten wollte:
Das neue Semester ist von Stundenplan her etwas entspannter als das erste. Ich hab jetzt noch an drei Tagen Pflichtveranstaltungen, auf den dritten hab ich mein Wahlfach gelegt und Freitags hab ich nur drei Vorlesungen. Lässt sich also aushalten.
Wir haben nun Biochemie bekommen und ich muss sagen, das ist wirklich viel mehr als ich erwartet habe. Klar, irgendwie ist das super interessant, aber die Vorlesung ist mal wieder nicht so der Brüller und die Seminare schrecken einen nur ab. Der Grund? Zur Vorbereitung bekommen wir zu jedem Seminar ungefähr 20 Aufgaben, die wir zwar angeblich nicht wirklich bearbeiten müssen aber wir sollen bitte zu allem etwas sagen können. Oh man, das wird lustig. Aber das krieg ich schon hin, wenn ich mich mal hinsetze und es mir wirklich angucke.

Medizinische Psychologie/Soziologie ist… Naja… Also eigentlich finde ich das nicht so uninteressant und die letzte Vorlesung war auch nicht schlecht. Aber unser Seminarleiter bringt mich jetzt schon zur Weißglut und ich bezweifle, dass das noch besser wird. Aber wir werden sehen. Jeder muss ein Referat halten, das ist zwar ein bisschen nervig, aber wenigstens mal etwas Abwechslung.

In Anatomie haben wir jetzt einen neuen Seminarleiter, der ist auch ganz nett. 🙂 Letztes Semester hatten wir einen recht strengen Leiter, das scheint der neue nicht zu sein. Ich weiß nicht, ob das wirklich von Vorteil ist, aber zumindest ist es sehr angenehm. Thema dieses Semester: Kopf, Hals und Bauchorgane. Wir haben mit Hals angefangen, was irgendwie echt viel ist. Muss da noch irgendwie ein Konzept finden! Habe mir aber schonmal einen Schädel ausgeliehen, damit bekommt man zumindest die Strukturen des Kopfes sicher ganz gut in den Kopf (Ha, das hätte ein Wortspiel werden können…).

Ich hab heute den Tag damit verbracht, Histo zu lernen für das Testat am Montag. Komisch, meine Wohnung ist plötzlich äußerst sauber und ordentlich, es liegt kein Papier mehr auf meinem Schreibtisch und der Kühlschrank ist auch voll. Ach, ich muss noch Wasser kaufen… Das mach ich mal schnell! 😉

Palliativnetz

Ich mag es ja, wenn Dinge funktionieren. Schade ist nur, wenn Sachen nicht funktionieren und dass dann dem Patienten schadet. So wie eines Abends unser liebes Palliativnetz. Grob gesagt ist das Palliativnetz ein Zusammenschluss vieler Haus- und Fachärzte in Kooperation mit einem unserer Krankenhäuser. Die Ärzte können Patienten auf eine Palliativliste setzen lassen und diese können dann eigentlich unkompliziert auf die hiesige Palliativstation aufgenommen werden, wenn es ihnen schlecht geht.

Einen Nachmittag fahren wir also mit dem Krankenwagen in ein Dörfchen außerhalb unserer Stadt, auf dem Melder stand schon, dass es eine Einweisung mit dem Ziel Palliativstation ist. Wir kommen an einen abgelegenen Hof und werden von einem Hund samt Frauchen Irmgard empfangen, ihrer Schwester Klara ginge es gar nicht gut. Sie erzählt uns, dass ihre Schwester Krebs hat und seit Monaten schon nicht mehr alleine leben kann. Klara wird von Irmgard und ihren Kindern so gut es geht gepflegt, da sie noch nicht alt ist (Mitte 50) soll sie auf gar keinen Fall in ein Heim. Jetzt ist Klara aber so kraftlos, dass auch Irmgard und ihr Sohn sie nicht mehr richtig auf die Toilette bekommen, Irmgard weiß nicht was sie machen soll. Sie wirkt sehr traurig und verzweifelt, ich merke ihr an, wie ungern sie ihre Schwester „einfach ins Krankenhaus geben will“. Ich sage ihr, dass ich das sehr gut verstehen kann, dass man aber auch auf sich selber achten muss. Es ist in einer solchen Situation immer schwer, die richtigen Worte zu finden, da tickt jeder Angehörige anders, doch Irmgard stimmt mir zu.
Meine Kollegin und ich sehen also nach Klara, der es wirklich nicht gut geht. Sie wirkt sehr matt, spricht sehr leise und kann sich kaum aufsetzen. Sie sagt, sie möchte ihrer Familie nicht mehr so zur Last fallen, daher hat sie heute Mittag ihren Hausarzt angerufen, der hat organisiert, dass sie auf der Palliativstation aufgenommen werden kann.
Irgendwie schaffen wir es Klara auf unseren Tragestuhl zu setzen, schon von dieser kleinen Anstrengung atmet sie sehr schwer. Leider passt unsere Trage nicht in ihre Wohnung, sonst hätten wir es ihr leichter machen können. So schieben wir sie auf dem Stuhl durch den Flur und tragen sie die Eingangstreppe herunter. Klara ist das unangenehm, da wir beide so zierliche Mädchen seien und sie lieber selber laufen können würde. Ich sage ihr, dass das für uns kein Problem ist, aber das glaubt sie mir natürlich nicht so recht. Das Umsetzen auf die Trage draußen fällt ihr wieder sehr schwer, aber gemeinsam schaffen wir auch das. Klara nimmt ihr Kuschelkissen mit, weil unser Kopfteil nicht besonders bequem ist. Als wir sie auf der Trage anschnallen, kommen zwei kleine Mädchen zur Tür, die bis dahin in einem Nebenraum gespielt haben. Sie wollen sich von Klara verabschieden und versprechen, sie bald im Krankenhaus zu besuchen. Dann kommt auch Klaras Mann zu uns nach draußen. Er wirkt sehr erschöpft, drückt ihre Hand und schaut sie einfach nur an. Es ist ein sehr intimer Moment, ich weiß nicht, wo ich hingucken soll. Meine Kollegin und ich merken, dass die beiden sich endgültig voneinander verabschieden. Das macht mich ein bisschen traurig, aber das ist nun mal der Lauf der Dinge.

Wir schieben die Trage in unseren Wagen und verabschieden uns von der Familie. Sie wollen bald nachkommen, müssen aber noch eine Betreuung für die beiden kleinen Mädchen organisieren.
Ich sitze hinten bei Klara und unterhalte mich mit ihr. Was sie früher gemacht hat, wie lange sie schon auf dem Hof wohnt und wie schön es ist, dass sich so viele Menschen um sie kümmern. Sie erzählt gerne von ihrem Leben, das merke ich, aber sie ist sehr traurig, dass sie ihrer Schwester so zur Last fällt. Ich versuche sie zu trösten, sage ihr dass ihre Familie sicherlich gern für sie da ist. Aber ich kann sie auch verstehen, es wäre mir wohl auch nicht angenehm, wenn ich sehe wie meine Familie mit mir leidet. Ich halte ihr die Hand, während wir so reden und glaube, dass tut ihr gut.

Als wir im Krankenhaus ankommen, meldet meine Kollegin sie direkt für die Palliativ an und ich stehe schon vorm Aufzug, als meine Kollegin grade wiederkommt. „Wir müssen in die Aufnahme“, sagt sie. „Wieso? Es ist doch alles geklärt dachte ich?“. „Hier ist nichts angekommen, oben ist kein Arzt und sie muss erst aufgenommen werden.“ Na toll, denke ich. Da hat man schon so eine tolle Möglichkeit, es dem Patienten erträglich zu machen und dann sowas. Klara scheint auch traurig darüber zu sein, was ich wirklich gut verstehen kann, denn unsere Notaufnahme ist eben genau das, eine NOTaufnahme. Da kann sich die Schwester nicht so viel Zeit nehmen, sie kennt die Patientin nicht und die Zimmer sind natürlich alles andere als schön. Genau diese Situation will das Palliativnetz eigentlich vermeiden, denn gerade sterbende Patienten sollte man einfach nicht allein lassen.
Wir lagern Klara also auf die nächste Trage um, auch diese Bewegung macht ihr wieder sehr zu schaffen. Ich glaube irgendwie nicht, dass sie aus der Aufnahme noch raus kommt, aber ich hoffe es für sie. Wir verabschieden uns von ihr und sie bedankt sich herzlich für unsere Hilfe. Ich drücke ihr noch einmal die Hand und wünsche ihr alles Gute, mehr kann ich ja leider nicht tun. Als wir wieder im Auto sitzen bin ich ein bisschen traurig, nicht nur weil es ihr so schlecht geht, sondern weil mal wieder eine Möglichkeit nicht ausgeschöpft wurde. Schade.

Ich weiß leider nicht was weiter passiert ist, aber ich hoffe, dass schnell ein Arzt da war und sie auf ihre Station konnte. Im Gefühl habe ich etwas anderes, aber vielleicht – hoffentlich – irre ich mich auch einfach. Ich finde es wirklich schade, dass das Palliativnetz oft nicht funktioniert, das war nicht das erste Mal, aber das eindrücklichste. Wo der Fehler lag ist leider nicht nachvollziehbar, vielleicht hat der Hausarzt doch vergessen im Krankenhaus angerufen, oder es ist dort untergegangen oder oder oder. Ich wünsche mir für jeden Patienten, dass das System noch verbessert wird, denn ich halte es für sehr sinnvoll und auch unkompliziert, so wie Medizin doch eigentlich sein sollte.

Hallo Petrus?!

Wer hat eigentlich dieses Wetter bestellt? Vorgestern bin ich abends noch in Shorts und Bluse draußen gewesen und jetzt ist es nur noch bewölkt. Das ist doch kacke!!! *Grummel* Nichtsdestotrotz nutze ich meine freie Zeit und gehe gleich Eis essen. Scheiß auf’s Wetter; egal ob man friert; Sommer ist, was in deinem Kopf passiert! (Zitiert nach den Wise Guys)