Praktikanten-Dasein

„Guten Abend, die Damen“ „Ach, die Schwester Kolibrikind ist wieder da! Das ist ja schön!“

So ungefähr läuft das immer, wenn ich in eins der zwanzig Zimmer auf Station komme. In dem Fall habe ich grade das Abendessen verteilt und wurde von den beiden alten Damen wieder herzlich empfangen. Die sind ja so süß! Die eine Dame erzählt allen ihren Besuchern, wie nett ich doch sei (hach *schmelz*) und dass ich studiere und bald Ärztin werde (naja, dauert noch, aber egal). Die andere ist auch immer herzzerreißend dankbar, wenn ich ihr irgendwie geholfen habe. Total schön! Auf der anderen Seite gibt’s auch Patientenzimmer, in die man erst nach kurzem Durchatmen geht und die man mit rollenden Augen verlässt. Aber gut, gibt halt immer So’ne und Solche und dann gibt’s noch die Anderen und die sind die Schlimmsten! (Wer das Zitat erkennt, bekommt nen Keks)
Was ich total toll finde ist ja, dass ich quasi alles selber machen darf, was ich kann. Scheine die Schwestern schnell überzeugt zu haben, dass ich morgens bei der Runde auch ein paar Zimmer „alleine“ machen kann: Also die Vitalparameter bestimmen und aufzeichnen, zur Toilette und beim Waschen helfen. Nur von den Medikamenten halte ich mich fern, das sollen die Schwestern lieber noch mal kontrollieren bevor die Medis zum Patienten kommen. Aber wenn die dann nur noch die Dispenser in die Zimmer bringen müssen, habe ich ihnen ja viel Zeit erspart.

Wirklich spannende Sachen gibt es im Moment nicht auf Station, aber es ist wirklich schön, die Patienten mal ein bisschen länger zu sehen – das kenne ich ja bis jetzt nur von Dialyse- oder Bestrahlungspatienten. Allerdings ist die „Anonymität“ des Rettungsdienstes auch ganz gut in manchem Fall, ich glaub ich bin zu mitfühlend für den Job… 😀

Pflegepraktikum

Soo, hier ein erster Einblick in mein Pflegepraktikum:

Am Montag ging’s los, neun Uhr an der Anmeldung, kurze Einführung ins Krankenhaus: kannte ich natürlich schon, ich gehe da mit dem Rettungsdienst ein und aus, aber es gibt noch zwei Praktis, die das Krankenhaus noch nicht kennen. Dann hab ich mich auf meiner Station vorgestellt. Erst hatte ich ein schlechtes Gefühl, weil ich eigentlich auf eine andere Station wollte und vor einer Woche dann per Anruf informiert wurde, dass das nicht geht. Mein Tipp: Personalmangel. Trotzdem bin ich total zufrieden, die Station ist komplett mit super netten jungen Schwestern besetzt und die Ärzte sind auch total freundlich (außer eine, die mich heute angemotzt hat, weil ich am Arztzimmer geklopft hab – das gar nicht zu ihrem Bereich gehört – und eine andere Ärztin sprechen wollte…). Der Orthopäde hat mir total lieb meine Fragen beantwortet, die ich beim Durchblättern der Patientenakten hatte und die Nephrologen haben mir auch sofort gesagt, dass sie mir bescheid sagen, wenn es mal was Interessantes zu lernen gibt.
Am Montag durfte ich dann gleich in die Pause starten, Luxus pur. Habe die Schwester dann ein bisschen über die Situation ausgefragt und siehe da: Die Station ist im Moment wirklich unterbesetzt, ich hatte also recht mit meiner Vermutung. Dennoch waren Montag und Dienstag echt ruhig und ich konnte mich in die meisten Bereiche schon ein bisschen einfuchsen. Heute war Chaos und Stress pur, ich bin nur gerannt und musste dann nach Feierabend noch Kaffee austeilen, weil das ja Aufgabe der Frühschicht sei… Danke liebe Spätschicht, sehr kollegial… Habe dann erstmal Mittagsschlaf gemacht, noch bis Dienstag hab ich Dienst, dann hab ich noch fünf Tage „Urlaub“ – darüber berichte ich dann sicherlich auch, ist nämlich spannend 😉 – und dann nochmal zwei Wochen, bis ich vier Tage frei hab. Das könnte anstrengend werden. Aber besser als Langeweile, die letzte Woche hatte ich gar nichts zu tun und das ist einfach absolut nicht mein Ding.

Mein erstes Mal…

… den Rettungswagen rufen.

Neulich war es soweit, ich hab das erste Mal einen Rettungswagen gerufen. Ich hab natürlich schon häufig auf der Leitstelle angerufen, auch schon über die allseits bekannte dreistellige Nummer. Aber wenn man dann doch selbst mal nen RTW braucht, ist das ganz schon irgendwie komisch. Die Story begann damit, dass eine Freundin mich besorgt anrief, weil ihre Schwester seit zwei Tagen hohes Fieber hat und es ihr generell wirklich schlecht ging. Gut, bin ich mal hingefahren mit meinem Blutdruckmessgerät, warum auch nicht. Wirklich was machen kann ich da natürlich auch nicht, aber man ist ja füreinander da. Dort angekommen begrüßte mich ihre Schwester ganz verschwitzt und mit leiser Stimme. Ohoh, das sieht aber wirklich ziemlich krank aus. Fieber hatte sie eindeutig, die Messung ergab um 39°C. Blutdruck war auch relativ schwach bei irgendwas um 90, Puls recht schnell. Was ich dann damit anfangen sollte, wusste ich auch nicht so recht. Wadenwickel und sonstige Hausmittelchen hatte sie alle schon durch, also riet ich ihr zum Arzt zu fahren. Wollte sie auch machen, allerdings ging das mit dem Aufstehen grad so zur Toilette, aber viel weiter auch nicht. Als sie dann noch irgendwie total komische Verkrampfungen in der rechten Körperhälfte bekam wurde dann auch ich nervös. Also Notruf wählen. Was sag ich dem denn dann?
„Notruf“
„Ja hi, hier ist *das Kolibrikind*. Ich bin hier bei einer Freundin und der geht es gar nicht gut. Hat hohes Fieber und jetzt so komische Verkrampfungen im rechten Arm.“
„Hmm… Ja, ich schick dir nen RTW. Wo bist du denn grad und wie heißt die Dame?“
„Im Timbuktuweg, Name ist Musterfrau.“
„Was sollen wir daraus machen? Schlechter AZ?“
„Ja… das kommt irgendwie hin, genau weiß ichs ja nicht.“
„Ohne SoSi reicht?“
„Jaja, klar. So schlimm ist es auch nicht!“
„Gut, die Jungs sind auf dem Weg. Wir hören uns.“

Gut, das war doch einfacher als gedacht. Aber trotzdem ist es ein merkwürdiges Gefühl, da nicht als Kollege anzurufen wie sonst. Kann echt gut verstehen, warum das einigen sehr unangenehm ist. Trotzdem natürlich: Wenn ihr Hilfe braucht, scheut euch nicht davor 112 zu wählen. Das sind auch nur Menschen am anderen Ende der Leitung und die wollen euch nur helfen! 😉

Ende vom Lied war: Die Besatzung begrüßte mich mit „Was machst du denn hier?“ und war sich nach ein bisschen Diagnostik auch unsicher. Haben sogar NEF nachgefordert und wir haben uns dann irgendwie auf V.a. Meningitis geeinigt, weil sie auch Nackenschmerzen hatte. Tatsächlich war es „nur“ Schweinegrippe, da waren wir ganz froh. An Schutzkleidung haben wir nämlich erst im Krankenhaus gedacht… Grippe hat von uns auch keiner bekommen, puh! Dafür ich die Nummer des hübschen Kollegen. *g* Kann also doch zu was nütze sein, mal auf der anderen Seite zu stehen.

Ich habe mir grade überlegt, dass „Mein erstes Mal…“ auch gut eine Reihe werden könnte. Gibt da bestimmt noch einige spannende Themen.

Semesterende

So, die letzte Klausur ist geschrieben und das Semester somit (endlich) vorbei! Biochemie war sogar besser als gedacht, hat aber leider doch nicht geklappt. Wobei das ein Gutes mit sich bringt: So werde ich mich damit nochmal beschäftigen, hätte ich die Klausur bestanden wäre das Zeug nach ganz hinten in den Schrank gewandert… Mal schauen, wie Sozi und Anatomie gelaufen sind, die waren beide tatsächlich schwerer als gedacht. Aber ich bin zuversichtlich, dass es trotzdem geklappt hat.

Auch am Semesterende bin ich immer noch der Meinung, dass das zweite Semester wesentlich anstrengender ist, als alle angekündigt hatten! Biochemie war wirklich super viel und Anatomie hat zwei für mich nicht so reizvolle Themen gehabt, sodass das Lernen echt nicht leicht fiel. Fazit: Ich werde garantiert nicht HNO-Ärztin und auch nicht Urologin. 😀 Allerdings fand ich den Rest des Bauchsitus spannend und auch Gyn hat irgendwie was. Mal schauen, wie sich das so entwickelt.
Tatsächlich fand ich auch Psych/Soz nicht so schlecht, wie alle immer gesagt haben. Ist halt ne recht trockene Sache und scheint Vielen nicht zu liegen. Aber ich fand ja Statistiken und Diagramme und so schon immer super…

Jetzt mach ich erstmal ein bisschen frei und schau dann mal, wie das Pflegepraktikum wird. Leider kann ich doch nicht auf meine Wunschstation und die neue kenne ich noch nicht, aber das kann ja auch ein Vorteil sein. Wird auf jeden Fall viel zu tun geben, mal sehen was ich dabei lernen kann. Nur blöd Hintern abwischen kann ich schließlich schon und sollte – finde ich – nicht Sinn der Sache sein. Ich halte euch dazu auf dem Laufenden und wünsche den Mitstudenten schon mal schöne Ferien! 😉

WIE GEIL IST DAS DENN????

Diese erste halbe Stunde des heutigen Halbfinals gegen Brasilien entschädigt alle Tränen von 2002! Das muss mal grade zwischendurch gesagt werden. Was für eine Demütigung! 5 Tore in 18 Minuten.
Und ich schwöre meinem Chef: Wenn ich Sonntag auch nur eine Minute des Finals verpasse, dann rede ich nie wieder ein Wort mit dir! 😉

Resignation

Ich hab keine Lust mehr auf Biochemie! Ich leg jetzt die blauen Heftchen bei Seite und gehe das Wetter genießen. Bringt jetzt eh nichts mehr und bis zur Nachklausur hab ich ja dann drei Monate Zeit: Das klingt doch viel besser als „in zwei Tagen musst du das alles können“… Aber es besteht ja auch noch die leise Hoffnung, dass die Klausur machbar ist, mal gucken. Die anderen beiden sollte ich aber auf jeden Fall hinbekommen.

Genitalien war’n noch nie mein Ding…

Montag: Letztes Histotestat. Dank meiner Sitznachbarin bestanden.
Dienstag: Letztes Anatomieseminar. Panik, weil nicht allzu viel Ahnung von Genitalien und so.
Mittwoch: Anatomietestat. Genitalien. Wollte die Mumu, bekam den Penis. Scheiße. Trotzdem irgendwie durchgewurschtelt. Vergessen, dass der N. pudendus den Beckenboden innerviert, bösen Blick eingesteckt. Letzte Runde: Niere. Puh, das kann ich. Bei den kreuzenden Gefäßen des Harnleiters versprochen. Hat keiner gemerkt. Gut, dass die Anderen nicht besser waren. Testat bestanden. Erleichterung. Dann festgestellt, dass ich bis zur Biochemieklausur keine sieben Tage mehr habe. Leichten Nervenzusammenbruch bekommen, die Anderen auch. Mit Schokolade betäubt. Erstmal Wohnung aufgeräumt. Daran gedacht, diesen Blogeintrag zu schreiben. Nun auf zur letzten Veranstaltung dieses Semester. Biochemie: Wird schon schief gehen.