Warum ich Ärztin werden will

Eine Uni lud mich mal zum „Vorstellungsgespräch“ ein. Eine – zu erwartende – Frage war natürlich: Warum wollen Sie Medizin studieren? An meine Antwort kann ich mich nicht erinnern, ich fürchte sie war auch nicht zufriedenstellend für die Herren, sonst hätte ich den Platz ja bekommen… Aber weg mit dem Groll, ich studiere jetzt und gut ist. Warum will ich also Ärztin werden? Ganz ehrlich? Da gibt es keine Antwort drauf, zumindest keine, die man so einfach erklären geschweige denn verstehen kann. Aber ich will es versuchen.
Punkt eins: Wie unglaublich geil ist bitte dieses Kunstwerk, das wir unseren Körper nennen dürfen? Ich meine hallo? Eine so leistungsstarke, anpassungsfähige und ausdauernde Pumpe, wie unser Herz sie ist, kann sich – sorry Leute, wenn ich jetzt Quatsch erzähle, ich gerate manchmal ins Schwärmen 😉 – kein Ingenieur so ausdenken. Unser Gehirn wird uns wahrscheinlich immer Rätsel aufgeben und das finde ich faszinierend, quasi eine unendliche Geschichte der Neugier und des Wissensdurstes, den man zumindest versuchen kann zu befriedigen. Es gibt so viel zu entdecken an uns selbst, an diesem unüberschaubaren Wust an Reaktionen, die dafür sorgen, dass wir sind was wir nun mal sind. Ich liebe es einfach.

Punkt zwei: Ich sagte ja grade, unser Körper ist faszinierend. Das Beste daran? Ich kleines Mädchen kann lernen, diesen zu heilen, wenn er mal ein bisschen schwächelt. Ich bin Tüftlerin, ich liebe es, zu lernen wie Dinge funktionieren und wie ich sie reparieren kann.

Punkt drei: Hat euch schon mal jemand von Herzen danke gesagt? Eben. Ein unbeschreiblich schönes Gefühl, vor allem, wenn ihr dafür nichts großes Tun musstet. Kein Hexenwerk, vielleicht habt ihr Oma Brömmelkamp einfach nur dabei geholfen, sich nach drei Wochen Krankenhaus mal richtig die Haare zu waschen und sie danach auch noch in eine recht passable Frisur gezaubert. Ihr glaubt nicht, wie viel Freude ihr jemandem mit kleinen Dingen machen könnt, wenn ihr es noch nicht selbst erlebt habt. Und genau diese Freude liebe ich an meinem Beruf. Natürlich gibt es viel Leid, keine Frage. Aber die kleinen Freuden jeden Tag lassen mich dabei bleiben und mich meinen Job mehr lieben als alles andere. Und hier ist es egal, ob Sanitätsdienst, Pflegepraktikum oder Rettungsdienst.

Punkt vier: Vielleicht ein kleines Helfersyndrom.

Punkt fünf: Ich weiß einfach nicht, was ich sonst machen soll. Klar, manchmal denke ich mir „wäre ich doch einfach Tischlerin geworden“. Aber ernsthaft? Ich glaube nicht, dass mich ein anderer Beruf jemals so erfüllen könnte, wie die Medizin es schon jetzt tut.

Das fasst es vielleicht ganz gut zusammen, aber wirklich gesagt ist es damit nicht. Ich will es einfach von ganzem Herzen. Das und nichts anderes, ein bisschen wie mit der großen Liebe oder so.
Der folgende Vergleich ist absolut kitschig und manch einer mag ihn vermessen finden. Sei’s drum:  Warum will eine Nonne Nonne sein? Weil sie von Gott gerufen wurde. Ich wurde von der Medizin gerufen. That’s it. Das trifft es. Und jetzt werde ich frühstücken, damit ich gleich wieder zum Pflegepraktikum fahren kann.

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6 Gedanken zu „Warum ich Ärztin werden will

  1. Pingback: Ich muss mir einen Bunker suchen… | willmalarztwerden

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