Das Neurotestat oder: Fachgespräch unter Kollegen.

Was hatten wir Angst vor diesem letzten Anatomietestat, Greuelgeschichten waren uns erzählt worden und keiner hat so wirklich ein gutes Wort daran gelassen. Neuroanatomie ist ja auch generell ein – zwar fachlich nicht unbedingt, aber auf jeden Fall mengenmäßig – schwieriges Thema und wir haben es glaube ich alle nicht geschafft, konsequent alles zu lernen, was wir lernen sollten. Mein Kopf hat schon weit vor dem eigentlichen Ende dicht gemacht, sodass ich die letzten Tage nur noch das Wichtigste wiederholt habe und nicht wirklich toll vorbereitet war.

Von den anderen Testatgruppen wurde die Härte der Prüfung bestätigt, die Angst wuchs also noch weiter. Womit keiner gerechnet hat: Nachdem wir hauptsächlich strenge Prüfer hatten in den sechs vorherigen Testaten, hatten wir nun Professor Lieberkerl und der schrieb, dass er gerne in seinem Büro prüfen würde, wir sollten nur ein paar Modelle mitbringen. Jackpot! Nicht noch mal auf den Saal und im Formalin wühlen. Also Modelle und MRT Bilder angesehen. Trotzdem natürlich immer noch ein mulmiges Gefühl. Der Tag des Testats kam, da wir vorher noch Kurs hatten, waren wir schon früher da, der Prüfer hat uns gesehen und sofort eingesammelt. Das fand ich sehr gut, weil ich so nicht mehr grübeln konnte und es eben schnell vorbei sein würde.

Angefangen hat es damit, dass er ein MRT-Bild auflegte und wir einfach mal sagen sollten, was das ist, was man sieht und ob gesund oder pathologisch. Kein Problem, jeder hat ein bisschen was gesagt und keiner wurde wirklich direkt gefragt. Nächstes MRT, pathologisch. Fragestellung: Was ist zu sehen, welche Symptome zu erwarten. Wieder ein lockeres Gespräch, in das er noch viele Infos eingebracht hat, sodass es eher eine super Lehrstunde war, als ein Testat. Letzte Frage: Wie entsteht eine Bewegung. Das konnten wir auch und damit war das Testat vorbei. Haben wir gar nicht wirklich geglaubt und der Jubel kam erst deutlich nach Testatende, aber so froh waren wir selten.

Das ist wohlbemerkt leider ein Einzelfall, wenn ich das richtig sehe. Alle anderen Prüfer waren wirklich streng und wollten Detailwissen – aber manchmal hat man eben einfach Glück. Die Klausur war auch machbar, mal sehen wie da das Ergebnis ist, das kommt wahrscheinlich morgen. Wenn sie bestanden ist hab ich meinen Anatomieschein und damit den größten Teil der Vorklinik in der Tasche. Unglaublich, wie schnell das ging.

Jetzt genieße ich erstmal das Wochenende und dann wird es Zeit, sich auf Biochemie 2, Physio und Psycho vorzubereiten. Aber dafür habe ich drei Wochen Zeit, das wird schon.

Vielleicht komme ich jetzt auch wieder ein paar Mal öfter zum Schreiben, ist ganz schön still gewesen die letzten Wochen.

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