Des Physikums erster Akt.

Dienstag war es dann endlich so weit: Der Tag des Physikums war da. Ich war ziemlich nervös und sehr froh, dass mein Freund da war und mich hingefahren hat. Vorher hat zum Glück niemand noch Fragen gestellt, das macht mich immer wahnsinnig! Eine halbe Stunde vor Beginn war Einlass, wir haben uns auf unsere Säle verteilt und die Plätze bezogen. Es war eine sehr angenehme Atmosphäre fand ich, da die „Prüfer“ sich vorne unterhalten haben und wir nichts abgeben mussten, sondern unsere Taschen einfach unter den Tisch stellen durften. Wir haben uns dann noch zwanzig Minuten unterhalten, bis der übliche nicht schummeln – Markierungen richtig machen – wer pinkeln muss geht bitte leise – Sermon losging. Meine Nervosität hat sich wie erwartet dann auch gelegt. Um Punkt neun Uhr ging es los und ich kam recht zügig durch. Die Chemiefragen waren ziemlich blöd für mich, aber beim Rest hatte ich ein gutes Gefühl. Wie immer war ich nach 2,5h fertig und habe dann noch mal geguckt, dass ich auch alles so angekreuzt hatte, wie ich wollte. Fragen noch mal gelesen habe ich allerdings nicht, weil das für Gewöhnlich nichts bringt und ich nur falsch „korrigiere“.
Die anderen haben ziemlich blöd geguckt, als ich um zwanzig vor Zwölf mein Heft abgegeben habe, aber sitzen bleiben noch ne Stunde hätte ich dämlich gefunden.
Draußen habe ich meinen Freund angerufen, dass ich schon fertig bin und dann war ich erstmal sehr erleichtert: Der schwere Tag ist vorbei! Wir sind dann noch in die Stadt gegangen und haben den Tag schön ausklingen lassen, vor dem nächsten Tag hatte ich dann kaum noch Angst.
Am zweiten Tag war ich wieder sehr früh wach und konnte so in Ruhe etwas essen und Kaffee trinken. Mein Freund brachte mich wieder zur Prüfung und ich war sehr zuversichtlich, beinahe schon entspannt. Mein Gefühl hat sich auch nicht getäuscht, in Anatomie dachte ich zwar, nicht so viel gewusst zu haben wie sonst, Psycho lief aber wie immer sehr gut. Ich war um elf fertig und mein Freund und ich sind Kaffee trinken gegangen, bis ich meine Hefte abholen durfte um eins.
Nachmittags habe ich dann meine Ergebnisse angeschaut: Der erste Tag war bis auf Chemie sogar noch besser als erwartet und den zweiten Tag habe ich trotz nicht ganz so gutem Gefühl tatsächlich mit fast 85% gemacht. Das haben wir dann mit Essen und Wein ziemlich gefeiert, auch wenn die Medi Learn Ergebnisse natürlich nicht offiziell sind – ich denke mal, das wird wohl schon so stimmen. 😉 Abends wollten wir eigentlich noch raus gehen, aber ich war echt platt, sodass wir nur noch einen Film geschaut haben und dann ins Bett sind – übrigens ging das fast allen meiner Kommilitonen genauso. 😀

Gestern gab es dann bei meinem Anatomieprüfer eine Vorbesprechung für die mündliche Prüfung, vor der ich echt Angst habe. Passives Wissen fürs Kreuzen ist nun mal leider was völlig anderes als das aktive Wissen, das in der mündlichen logischerweise verlangt wird.. Naja, das wird schon irgendwie, meine Prüfer sind auf jeden Fall echt nett

Alles in allem braucht man vor der schriftlichen Prüfung auf jeden Fall keine Angst zu haben, die ist wirklich machbar finde ich. Und wahrscheinlich ist die mündliche auch nicht so schlimm, wie ich mir vorstelle: Wir werden sehen. Zwei Wochen habe ich ja auch noch!

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Mein erstes Mal … (Teil 2)

… Reanimation!

8.44 Praktikant und ich gucken uns das Auto an, ich erkläre ihm noch ein bisschen was. „Aber mach dich darauf gefasst, dass eh nichts passiert. Wenn ich fahre geht es eigentlich immer Allen gut und mit Praktikant stehen dank Murphy die Autos eigentlich nur rum!“

8.45 *didelideliiiii* >bewusstlose Person<

Ja, ihr ahnt es. Ich hatte den Murphy-Bogen überspannt. In meinen 3 Jahren als Hauptamtliche Kutscherin und Aushilfe hatte ich sage und schreibe 0 -in Worten: null!- Reanimationen. Auch in dem Jahr als Praktikantin vorher nicht. Das sollte sich aber mit dem heutigen Tag ändern. Und auch das „eigentlich geht es allen gut“ wird sich noch als falsch erweisen – aber das ist noch eine andere Geschichte.

Wir ziehen uns also Schuhe und Jacken an, ich springe auf den Fahrersitz, mein Kollege hat die Tür grad zu und wir machen uns auf die erste Alarmfahrt des Tages. *krchkrch* „RTW von Leitstelle“ „Ja bitte?“ „Es handelt sich um eine Rea, Telefonrea durch Angehörige läuft“   Oh.    „Ja verstanden“

Ich musste kurz ein bisschen schlucken und fing dann an, nervös zu grinsen. „Ach, Peter… Das ist übrigens auch meine erste!“ „WAS?! Das ist jetzt nicht dein Ernst?“ „Doch… Schon.“ „Wie hast du denn das.. Ach egal. Kriegen wir alles hin. Du fängst einfach erstmal mit Drücken an und um den Rest kümmere ich mich schon!“

Kurzer Exkurs zu Peter: Es ist unsere erste Schicht zusammen und Peter kann mich zu Anfang nicht leiden. Das hat persönliche Gründe, auf die ich hier nicht näher eingehe. Aber seit Ende dieser Schicht kommen wir wirklich gut miteinander aus.

Als wir am Einsatzort ankommen, ziehe ich ziemlich nervös die Handschuhe an und hole EKG und Absaugung aus dem Auto. Wir laufen in ein Gebäude, das sehr nach ausgebauter Scheune aussieht. Nach der ersten Ecke sehen wir schon unseren Patienten: Blitzeblau zwischen Wohnzimmertisch und Sofa, ca. 70 Jahre alt und seine Frau kniet verzweifelt daneben und macht, was man als Reanimation bezeichnen könnte. Das hört sich jetzt hart an, aber war mein erster Eindruck. Nichts für Ungut. Ich knie mich neben sie „Wir übernehmen das jetzt, danke“ Ich mache noch eine kurze Atemkontrolle, während der Kollege schon die Defipads ausrollt. „Drück einfach!“ Gesagt, getan. Ich drücke also zum ersten Mal auf einem echten Patienten und was soll ich sagen? Es ist eigentlich wie an der Puppe. Nur, dass der Thorax oben schon auffällig weich war. Man könnte beinahe matschig sagen. Also hatte die gute Dame wirklich reanimiert vorher. Nicht schlecht! Der Prakti hat währenddessen den Koffer auf dem Wohnzimmertisch offen vor sich und sucht den Ambu-Beutel. In der Aufregung hat er erstmal nichts gefunden (Ja, auch bei dem größten Gegenstand im Koffer kann das passieren), aber nach einem kurzen „tief Durchatmen!“ von Peter ging alles reibungslos. Außer die Beatmung, die wollte einfach nicht ordentlich funktionieren. Der Praktikant übernimmt das Drücken, nachdem wir das erste Mal geschockt haben: Weiterhin Kammerflimmern.
Ich glaube, gedacht habe ich in der Situation kaum, ich habe meinem Kollegen einfach alles hingelegt, was er brauchte, irgendwann kam das NEF. Was die wohl gedacht haben? Beim Aufziehen von Amiodaron und Adrenalin zitterten natürlich meine Hände, wie immer. War aber nicht so tragisch, auch wenn man danach wahrscheinlich mich für die Praktikantin hielt. Aber nun gut, irgendwann ist halt immer das erste Mal!
Als der Notarzt zur Intubation schritt wurde auch klar, warum die Beatmung mehr schlecht als recht ging: Gebiss im Hals. Und zwar so tief, dass weder ich noch der Kollege es hätten sehen können. Nachdem das Gebiss aber raus, der Tubus drin und der mittlerweile dritte Schock abgegeben war, die Erleichterung: Eigenrhythmus! Kreislauf! Und deutlich weniger blau war der Patient auch.
„Alles okay bei dir?“ Das war der NEF Fahrer. Mir scheint, ich war etwas blass. Oder erhitzt. Aber es ging mir gut: Erste Rea gleich mit ROSC – sehr geil. Übrigens waren bis zu diesem Zeitpunkt keine 15min vergangen. Es kam mir allerdings wesentlich länger vor. Wir packen unsere Sachen ein, laden den Patienten per Schaufeltrage auf die Trage und bringen ihn in den RTW. Wir beginnen hinten mit der Kühlung und zeichnen alle Vitalparameter auf. Der Kollege fährt, da ich noch ziemlich viel Adrenalin habe und den Weg zum Krankenhaus nicht genau kenne. Auf der ganzen Fahrt hat der Patient einen ordentlichen Kreislauf und wir können ihn den Umständen entsprechend gut auf der Intensivstation abgeben.

Wir drei machen eine Nachbesprechung, in der uns Peter sehr lobt. Die Nervosität ist normal, dafür war alles sehr strukturiert. Er sagt mir hinterher nur, dass ich beim Adrenalin unbedingt ansagen muss, ob es pur oder verdünnt ist. Ich kenne es pur, in dem Kreis wird verdünnt. Ok, kann passieren. Sie haben es ja gemerkt, alles ist gut. Auf der Wache füllen wir recht gut gelaunt auf, der Praktikant bekommt einen EKG Ausdruck für sein Berichtsheft und wir knobeln aus, wer wann Kuchen mitbringt.

Auch eine Woche später befindet sich unser Patient bei recht guter Gesundheit, vielleicht waren wir also rechtzeitig da! Ich muss echt noch mal nachforschen, wie er entlassen wurde.

Das war sie also, meine erste Rea. Mittlerweile hatte ich manchmal schon richtiggehend Angst davor, da ich nun schon recht lange dabei bin und diese „Jungfräulichkeit“ die Sicherheit nicht grade steigert. Aber wie eigentlich zu erwarten war: Man funktioniert. Vielleicht gibt es ein paar kleine Fehler, aber mit einem guten Team geht das wirklich gut.

5 days to go

Eigentlich will ich ja viel öfter schreiben, aber immer wenn ich es vorhabe, mache ich dann doch was anderes… Nun ja. Ich denke mal, ihr versteht das ❤

In fünf Tagen ist die Prüfung und langsam bin ich recht zuversichtlich. Ich hab nun alles an Stoff wiederholt und werde mir nun neben dem Kreuzen noch mal meine Zusammenschrift angucken. Das ist ganz schön viel(1,5 Blöcke…)! Fürs schriftliche reicht es auf jeden Fall. Die spannende Frage ist nur: Ist davon auch genug aktives Wissen? Ich meine klar, im multiple choice Verfahren richtige Antworten zu geben ist nich weiter schwer. Aber ohne Antwortmöglichkeiten in freier Rede sein Wissen preis zu geben – noch davor vor 6 Leuten – ist eine ganz andere Sache. Mein Glück: Wenn es bei den Prüfern bleibt, sind alle drei sehr nett und legen Wert auf Zusammenhänge und nicht auf Kleinzeug. Das ist schon mal gut, denn dafür kann man einfacher lernen und sich am großen Ganzen halten.
Ich hoffe nur, ich kriege deren "Spezialthemen" bis dahin wirklich komplett auf die Reihe. Die BC Prüferin steht auf Blut und Immunsystem, das krieg ich zwar ganz gut hin, aber schmeiße Komplement- und Gerinnungsfaktoren schon mal in falsche Reihenfolgen. Mal sehen.
Die Physio Prüferin hatten wir in einigen Praktikumsversuchen, leider meist in denen, die mir nicht so gefielen. Aber sie mag es, wenn man Sachen aufzeichnen kann – Das krieg ich hin!
Der Anatomieprof ist ein ganz lieber, der aber leider den Histokurs macht. Ich muss also nochmal ordentlich Histo nachholen, weil da bin ich ohne Wahlmöglichkeiten doch manchmal etwas aufgeschmissen… Das praktische an der mündlichen ist da aber, dass man natürlich nicht nur einen winzigen Ausschnitt, sondern das ganz Präparat vorliegen hat. Da kann man sich oft einen besseren Überblick verschaffen. Und ich denke nicht, dass er ganz fiese Sachen machen wird.

Ich bin mittlerweile also wieder recht zuversichtlich, auch wenn vor allem mündliche Prüfungen mir immer den Schweiß auf der Stirn stehen lassen. Aber es hätte uns echt schlimmer treffen können und außerdem hab ich recht früh meine Prüfung und kann danach echt lange Urlaub machen. Darauf freue ich mich richtig!