Mein erstes Mal … (Teil 2)

… Reanimation!

8.44 Praktikant und ich gucken uns das Auto an, ich erkläre ihm noch ein bisschen was. „Aber mach dich darauf gefasst, dass eh nichts passiert. Wenn ich fahre geht es eigentlich immer Allen gut und mit Praktikant stehen dank Murphy die Autos eigentlich nur rum!“

8.45 *didelideliiiii* >bewusstlose Person<

Ja, ihr ahnt es. Ich hatte den Murphy-Bogen überspannt. In meinen 3 Jahren als Hauptamtliche Kutscherin und Aushilfe hatte ich sage und schreibe 0 -in Worten: null!- Reanimationen. Auch in dem Jahr als Praktikantin vorher nicht. Das sollte sich aber mit dem heutigen Tag ändern. Und auch das „eigentlich geht es allen gut“ wird sich noch als falsch erweisen – aber das ist noch eine andere Geschichte.

Wir ziehen uns also Schuhe und Jacken an, ich springe auf den Fahrersitz, mein Kollege hat die Tür grad zu und wir machen uns auf die erste Alarmfahrt des Tages. *krchkrch* „RTW von Leitstelle“ „Ja bitte?“ „Es handelt sich um eine Rea, Telefonrea durch Angehörige läuft“   Oh.    „Ja verstanden“

Ich musste kurz ein bisschen schlucken und fing dann an, nervös zu grinsen. „Ach, Peter… Das ist übrigens auch meine erste!“ „WAS?! Das ist jetzt nicht dein Ernst?“ „Doch… Schon.“ „Wie hast du denn das.. Ach egal. Kriegen wir alles hin. Du fängst einfach erstmal mit Drücken an und um den Rest kümmere ich mich schon!“

Kurzer Exkurs zu Peter: Es ist unsere erste Schicht zusammen und Peter kann mich zu Anfang nicht leiden. Das hat persönliche Gründe, auf die ich hier nicht näher eingehe. Aber seit Ende dieser Schicht kommen wir wirklich gut miteinander aus.

Als wir am Einsatzort ankommen, ziehe ich ziemlich nervös die Handschuhe an und hole EKG und Absaugung aus dem Auto. Wir laufen in ein Gebäude, das sehr nach ausgebauter Scheune aussieht. Nach der ersten Ecke sehen wir schon unseren Patienten: Blitzeblau zwischen Wohnzimmertisch und Sofa, ca. 70 Jahre alt und seine Frau kniet verzweifelt daneben und macht, was man als Reanimation bezeichnen könnte. Das hört sich jetzt hart an, aber war mein erster Eindruck. Nichts für Ungut. Ich knie mich neben sie „Wir übernehmen das jetzt, danke“ Ich mache noch eine kurze Atemkontrolle, während der Kollege schon die Defipads ausrollt. „Drück einfach!“ Gesagt, getan. Ich drücke also zum ersten Mal auf einem echten Patienten und was soll ich sagen? Es ist eigentlich wie an der Puppe. Nur, dass der Thorax oben schon auffällig weich war. Man könnte beinahe matschig sagen. Also hatte die gute Dame wirklich reanimiert vorher. Nicht schlecht! Der Prakti hat währenddessen den Koffer auf dem Wohnzimmertisch offen vor sich und sucht den Ambu-Beutel. In der Aufregung hat er erstmal nichts gefunden (Ja, auch bei dem größten Gegenstand im Koffer kann das passieren), aber nach einem kurzen „tief Durchatmen!“ von Peter ging alles reibungslos. Außer die Beatmung, die wollte einfach nicht ordentlich funktionieren. Der Praktikant übernimmt das Drücken, nachdem wir das erste Mal geschockt haben: Weiterhin Kammerflimmern.
Ich glaube, gedacht habe ich in der Situation kaum, ich habe meinem Kollegen einfach alles hingelegt, was er brauchte, irgendwann kam das NEF. Was die wohl gedacht haben? Beim Aufziehen von Amiodaron und Adrenalin zitterten natürlich meine Hände, wie immer. War aber nicht so tragisch, auch wenn man danach wahrscheinlich mich für die Praktikantin hielt. Aber nun gut, irgendwann ist halt immer das erste Mal!
Als der Notarzt zur Intubation schritt wurde auch klar, warum die Beatmung mehr schlecht als recht ging: Gebiss im Hals. Und zwar so tief, dass weder ich noch der Kollege es hätten sehen können. Nachdem das Gebiss aber raus, der Tubus drin und der mittlerweile dritte Schock abgegeben war, die Erleichterung: Eigenrhythmus! Kreislauf! Und deutlich weniger blau war der Patient auch.
„Alles okay bei dir?“ Das war der NEF Fahrer. Mir scheint, ich war etwas blass. Oder erhitzt. Aber es ging mir gut: Erste Rea gleich mit ROSC – sehr geil. Übrigens waren bis zu diesem Zeitpunkt keine 15min vergangen. Es kam mir allerdings wesentlich länger vor. Wir packen unsere Sachen ein, laden den Patienten per Schaufeltrage auf die Trage und bringen ihn in den RTW. Wir beginnen hinten mit der Kühlung und zeichnen alle Vitalparameter auf. Der Kollege fährt, da ich noch ziemlich viel Adrenalin habe und den Weg zum Krankenhaus nicht genau kenne. Auf der ganzen Fahrt hat der Patient einen ordentlichen Kreislauf und wir können ihn den Umständen entsprechend gut auf der Intensivstation abgeben.

Wir drei machen eine Nachbesprechung, in der uns Peter sehr lobt. Die Nervosität ist normal, dafür war alles sehr strukturiert. Er sagt mir hinterher nur, dass ich beim Adrenalin unbedingt ansagen muss, ob es pur oder verdünnt ist. Ich kenne es pur, in dem Kreis wird verdünnt. Ok, kann passieren. Sie haben es ja gemerkt, alles ist gut. Auf der Wache füllen wir recht gut gelaunt auf, der Praktikant bekommt einen EKG Ausdruck für sein Berichtsheft und wir knobeln aus, wer wann Kuchen mitbringt.

Auch eine Woche später befindet sich unser Patient bei recht guter Gesundheit, vielleicht waren wir also rechtzeitig da! Ich muss echt noch mal nachforschen, wie er entlassen wurde.

Das war sie also, meine erste Rea. Mittlerweile hatte ich manchmal schon richtiggehend Angst davor, da ich nun schon recht lange dabei bin und diese „Jungfräulichkeit“ die Sicherheit nicht grade steigert. Aber wie eigentlich zu erwarten war: Man funktioniert. Vielleicht gibt es ein paar kleine Fehler, aber mit einem guten Team geht das wirklich gut.

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3 Gedanken zu „Mein erstes Mal … (Teil 2)

  1. Herzlichen Glückwunsch zur erfolgreichen Reanimation 🙂
    Ich durfte gerade zum dritten mal Reanimieren und das ohne dass ich Rettung fahere.
    Der erste als Ersthelfer im Betrieb
    Die letzen 2 innerhalb eines Jahres im privaten Umfeld.
    Ich frag mich schon ob ich einen speziellen Reanimationsmagneten habe.
    Aber mit jeder Reanimation läuft es besser :-).
    Wenn bei dir die erste schon so gut klappt hast du perfekte Aussichten 😉

    • Hallo Ralf,
      schön dass du auch außerhalb der Rettung so gut eingreifst, danke dafür!
      Dass die Aussichten perfekt sind stimmt aber leider nur bedingt, dass eine Rea erfolgreich ist kommt leider nicht so oft vor, wie man sich wünschen würde. Zum Einen, weil die Gründe meist schwerwiegender sind (hier war es ja wahrscheinlich „nur“ eine Hypoxie, das lässt sich beheben) und zum Anderen, weil häufig eben kein Ersthelfer da ist, der die Reanimation beginnt. Deshalb mach auf jeden Fall so weiter und ganz wichtig: Spread the news! Jeder kann reanimieren (lernen) und es ist vielen Menschen mit Herz-Kreislauf-Stillstand geholfen, wenn er/sie schnell wieder Kreislauf hat!

      🙂 Außerdem natürlich: Danke für die Glückwünsche und herzlich Willkommen auf meinem Blog!

  2. Hallo 😉

    Gratuliere zur erfolgreichen Rea! Also das war ja wirklich die perfekte erste Reanimation 😀

    Ich bin jetzt seit fast einem Jahr aktiv bei der Rettung in Österreich tätig und habe auch erst vor kurzem meine erste Reanimation gehabt. Die ging leider nicht so schön aus. Eine sehr junge Person hat Suizid begannen….nach 40 Minuten mussten wir uns dann leider geschlagen geben.
    Auf der Hinfahrt war ich auch sehr nervös, aber als wir dann eingetroffen sind hab ich auf „Autopilot“ geschaltet . Wie du gesagt hast: man funktioniert!
    lg S.

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