Famulaturbericht Teil 2

Hallo ihr Lieben!

Ich wollte mich ursprünglich jede Woche aus der Famulatur melden, aber dafür war es zu unspektakulär – Spaß gemacht hat es aber trotzdem! Meine tägliche Arbeit war morgens Blut abnehmen (4-12 Patienten) und danach Aufnahmen machen, also Anamnesegespräch plus körperliche Untersuchung. Das hat mir ordentlich Übung gegeben, gefühlt fast schon ein bisschen Routine!

„Besondere“ Sachen habe ich natürlich auch gemacht, die Ärztinnen mochten mich offenbar, sodass ich überall mal reingucken durfte. Ich schreibe am Besten mal zu allem ein bisschen:

Ergometrie: Patienten auf dem Fahrrad mit EKG, Blutdruck und teilweise auch zusätzlicher Spirometrie. Das ist erstmal die Grundkonstellation und nicht weiter aufregend. Das Tolle an der Sache war viel mehr die Ärztin, die wirklich zu allem Fragen stellte und so nicht nur vorhandenes Hintergrundwissen wiederholte, sondern auch wirklich Unmengen an weiteren Details einbrachte. Hervorgekramt aus der letzten Ecke des Kopfes bei mir zum Beispiel: Wenn ein interner Defi (ICD) unkontrolliert schießt, einfach einen Magneten drauf legen, solange ist er abgestellt und der Patient wird nicht geschockt. Anders beim Schrittmacher: Der wird dann normalerweise auf eine voreingestellte Freuqenz umgestellt. Muss man auch erstmal wissen. (Damit ich nicht in Teufels Küche komme: Probiert sowas auf gar keinen Fall aus, wenn ihr nicht Arzt seid!)

Langezeit-EKG Auswertung: Das war nicht so spannend, ist im Prinzip wie jedes andere EKG auch, nur dass man halt 24h auswerten muss. Erkenntnis hier: Es gibt intermittierendes Vorhofflimmern, das auch einfach so wieder in einen Sinusrhythmus konvertieren kann. Wusste ich vorher auch nicht!

Herzkatheter: Hier hatte ich leider nicht so viel von, da es nur zwei schwierige Patienten gab und der Oberarzt da lieber keinen Studenten direkt bei gehabt hat. Konnte ich auch verstehen, zumal ich auch dachte, dass die Assistenten am Monitor mir auch einiges erklären können. Leider waren die da aber irgendwie nicht so gesprächig oder kompetent oder was auch immer. Der letzte Patient kam als Notfall rein, dabei: Die Oberärztin. Ich sag euch, da wollt ihr nicht Patient sein! Die Frau war völlig hektisch (Ja, Notfallsituation, aber trotzdem völlig unnötig) und hatte offensichtlich kein Konzept dafür, dass der Patient vielleicht nicht so kooperativ ist. Wer kann aber auch einem 80 Jährigen, dementen und ziemlich weggetretenem Opa verdenken, dass er nicht auf einem harten Tisch liegen mag, die Arme über dem Kopf verschränkt, mit zwei Röntgenbögen über sich und einem merkwürdigen Ziepen in der Leiste? Es uferte dahin aus, dass die OÄ irgendwann anfing zu schreien und versuchte, die Arme des Patienten irgendwie anzubinden. Erst nach ziemlich unangenehmen 10 Minuten für alle Beteiligten kam sie darauf, ein Sedativum zu geben… Danach hatte ich dann auch erstmal genug vom Herzkatheter, so kann man doch unmöglich arbeiten geschweigedenn lernen!

Elektrophysiologie: Der Teil ist eigentlich wie Herzkatheter, nur ein bisschen abgespaced! Hier werden hauptsächlich mit Strom zusätzliche Leitungsbahnen am Herzen verödet, womit Rhythmusstörungen behoben werden können. Es kommt hier sehr darauf an, wie gut der Arzt erklären kann und will. Beim ersten Mal habe ich relativ viel verstanden, da haben wir eine Isthmusablation gemacht, um ein Vorhofflattern zu beenden. Da jetzt aber zu erklären, was genau ich gelernt habe ist leider zu schwierig, ohne ein bisschen was zu zeichnen und ziemlich viel Vorwissen zu erklären. Seht es mir nach ❤ Auf jeden Fall habe ich beim nächsten Patient (anderer Arzt) leider nicht mehr so viel verstanden, das war vielleicht aber auch wirklich schwieriger zu erklären.
Zusätzlich zu diesen invasiven Untersuchungen gab es auch noch ein paar Kardioversionen, die ich selber durchführen durfte. Fast wie im Fernsehen: Paddles aneinander reiben, drauf drücken und *wumm* – Herrlich 😀 !

Schrittmacher-OP: Endlich mal wieder ein bisschen OP-Luft! Hier durfte ich anschauen, wie ein ICD implantiert wird. Coole Sache, da das vom „normalen“ Kardiologen gemacht wird und nicht vom Herzchirurg und somit für mich nicht völlig abwegig ist. Procedere funktioniert wie folgt: Es wird ein Schnitt unter dem Schlüsselbein gemacht und unter dem Brustmuskel eine Tasche für den Defi frei gemacht. Dann werden über die V. basilika (oder eine andere gut präparierbare Vene) die Schrittmacher und Defi-Sonden eingeführt und unter Röntgenkontrolle an die richtige Position gebracht. Die Kabel werden mit dem Defi/Schrittmacher verbunden, der wird getestet und dann in die Tasche gesteckt. Am Ende wird alles wieder zugenäht und ist für Studenten eine ziemlich coole Sache, wenn es auch nur ungefähr eine Dreiviertelstunde dauert. Aber OP ist halt immer irgendwie cool – zumindest für mich!

Schrittmacher-Kontrolle: Das war eher zufällig, der schnuckelige (sic!) Assistenzarzt lief mit einem sehr merkwürdigen Gerät in unser Arztzimmer. Ich fragte was das ist, woraufhin er nur meinte „wenn du Zeit hast, komm mit, ich zeigs dir“. Gesagt, getan. Wir sind also auf die IMC gegangen und haben mit dem merkwürdigen Gerät: *tadaaaa* einen Schrittmacher ausgelesen. Die Fragestellung dabei war ob der SM noch richtig funktioniert, da das EKG eher so aussah als würde die Stimulation nicht richtig ausgelöst werden. Ich versuche mal zu erklären, was damit gemeint ist: Der SM war so eingestellt, dass er Vorhof und Kammer stimulieren kann. Das funktioniert so, dass zunächst der Vorhof stimuliert wird und das Gerät schaut, ob diese Stimulation richtig auf die Kammern fortgeleitet wird und somit für einen suffizienten Herzschlag sorgt. Funktioniert diese Überleitung nicht, wird noch mal in der Kammer stimuliert, um den Herzschlag auszulösen. Und irgendwas in diesem System hat nicht funktioniert, was wir mit dem Auslesegerät aber beheben konnten, damit kann man den Schrittmacher nämlich auch einstellen (das ist aber insgesamt ganz schön kompliziert).
Außerdem haben wir an einem anderen Tag noch einen ICD ausgelesen, der offensichtlich falsch geschockt hatte. Was hier besonders cool war: Neben dem Schock, den die Patientin gemerkt hatte, gab es noch zwei weitere, an die sie sich nicht erinnern konnte. Hier hat der Defi nämlich funktioniert wie er sollte: Die Patientin hatte beide Male ein astreines Kammerflimmern und ihr wurde demnach von ihrem ICD das Leben gerettet! Das ist schon eine ziemlich coole Sache wenn man bedenkt, dass sie da vermutlich alleine zu Hause war und somit ziemlich sicher daran verstorben wäre. Den Ausdruck vom Kammerflimmern und der Intervention hat der Arzt mir ein paar Tage später noch auf Station gebracht, weil ich so fasziniert war. 🙂

Echokardiografie: Hier habe ich leider nicht so viel Zeit verbracht, da angeblich immer super viel zu tun war. Nun ja… Sag ich nichts zu! Das mal als ich da war, war aber ganz spannend. Wie ein Herz im Ultraschall aussieht ist mir ja generell nicht unbekannt, aber wie man die unterschiedlichen Blickwinkel einstellt und das ganze dann auch noch auswertet, ist schon irgendwie eine Kunst für sich! Ich hoffe, da kann ich mal ein paar Tage und Wochen mehr verbringen, damit ich das vernünftig lerne.

 
So. Das müsste jetzt eigentlich alles wesentliche gewesen sein. Die vier Wochen Kardio haben mir auf alle Fälle super gefallen und ich habe wirklich eine Menge gelernt! Klar bin ich immer noch meilenweit davon entfernt, ein EKG wirklich sicher auswerten zu können, wenn es nicht grade der offensichtliche STEMI ist, aber trotzdem fühle ich mich wesentlich sicherer dabei und auch bei Anamnese und Untersuchung und das war ja das Ziel der Sache!
Besonders gefreut hat mich, dass mir am Ende wirklich alle gesagt haben, dass ich das richtig gut gemacht habe und dass ich so weiter machen soll. Das ist schon ein klasse Gefühl! 🙂 ❤
Den nächsten Bericht bekommt ihr dann, wenn das Semester wieder richtig los gehtv

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