Achtes Semester – Teil 1

Time flies! Schon wieder sind einige Monate vergangen und ich habe nichts geschrieben. Heute möchte ich noch mal das achte Semester rekapitulieren, es gab viele interessante Themen und tatsächlich weniger zu meckern als sonst! Das achte Semester ist bei uns in Blöcke aufgeteilt, einmal den Vorlesungsblock und dann sowohl zwei Blöcke Praktikum, als auch zwei Blöcke Seminare.

Fangen wir mit den Praktikumsblöcken an, hier hatten wir Innere, Chirurgie und Allgemeinmedizin. Innere war leider nicht sehr spannend, wir haben den ganzen Vormittag Blut abgenommen und dann ewig Visite gemacht, da es teilweise nur einen Arzt gab, hat das auch ewig gedauert. Naja. Schade fand ich auch, dass wir wieder auf der gleichen Station waren, wie vorher schon. Ich finde Kardio zwar spannend, aber ich hätte mir auch gerne noch mal was anderes angeguckt. Allerdings war das ganze auch wieder gut für die Routine, Blutabnehmen und Aufnahmegespräche/-untersuchungen macht man ja im PJ auch hauptsächlich, es schadet also nicht.
Das Chirurgie Blockpraktikum fand ich super! Ich war mit einer Kommilitonin auf der Gefäßchirugie und wir durften an drei von fünf Tagen in den OP, wo wir auch assistieren durften. Nur zu zweit zu sein war da sehr vorteilhaft, die anderen Gruppen waren wesentlich größer, sodass nicht jeder assistieren konnte. Gut, bei uns war das assistieren jetzt nicht herausragend spannend, da richtige Mitarbeit nur bei zwei Amputationsresektionen möglich war, aber steril mit am Tisch stehen finde ich allgmeien schon mal ziemlich cool, vor allem weil die Chirurgen wirklich nett waren und alles sehr ausführlich gezeigt und erklärt haben. Übrigens, den Klassiker gab es auch: Wenn der Chirurg „Ach scheiße“ sagt, sollte man schon mal Kompressen bereit legen. Er hatte in dem Moment nämlich leider seinen vorher 45 Minuten lang präparierten Bypass zerissen. Ziemlich ärgerlich und vor allem ziemlich blutig… Aber keine Sorge, er hat ihn am Ende vernünftig gelegt bekommen und wir waren immerhin noch pünktlich zum Mittagessen. Die anderen beiden Tage haben wir mit der Wundschwester verbracht und haben viele verschiedene Verbände gezeigt bekommen und durften diese auch selber wechseln. Das ist spannender, als es sich anhört! Verbandwechsel ist zwar jetzt nicht unbedingt Hexenwerk, aber es gibt doch einiges zu beachten und wahnsinnig viele verschiedene Möglichkeiten, wie so ein Verband aussehen kann.
Alles in Allem durften wir also relativ viel machen, dafür dass wir nur eine Woche da waren und ich denke, ich habe auch ein bisschen was mitnehmen können.

Überrascht hat mich übrigens das Allgemeinmedizinpraktikum! Da ich nicht in die Stadt wollte, hatte ich ungefähr eine halbe Stunde Anfahrt, aber das hat sich wirklich gelohnt! Meine Praxis bestand aus drei Allgemeinmedizin-Fachärzten und einer Weiterbildungsassistentin und war in einem ganz hübschen, sagen wir mal mittelgroßen, Dorf – man brauchte immerhin fast zwei Minuten von einer Seite zur anderen mit dem Auto! Ich hatte vor Allem Kontakt mit dem Arzt, der mich auch am ersten Tag in Empfang nahm und mir erstmal alles zeigte und meine Erwartungen erfragte. Ich sagte ihm recht ehrlich, dass ich mir nicht sehr viel erwartete, aber die Landarztpraxis gewählt habe, weil ich mir da die größten Chancen ausrechnete, wirklich mal einen weiten Überblick über Allgmeinmedizin zu bekommen. Challenge accepted!
Gleich am ersten Tag durfte ich wirklich mitarbeiten, mir Therapien überlegen und auch gleich „handwerklich“ tätig werden, als ein Patient mit Schulterschmerzen kam und von mir dagegen „gequaddelt“ wurde (Das heißt, dass ich ihm ein Schmerzmittel unter die oberste Hautschicht gespritzt habe). Da er noch zwei Mal wieder kommen sollte, konnte ich das sogar gleich mehrfach üben.
Außerdem wurde ich täglich zu Hausbesuchen mitgenommen, was sehr sehr spannend war. Eine Situation ist mir da besonders in Erinnerung geblieben und wird einen eigenen Beitrag bekommen. Neben der Praxis im großen Dorf gab es auch noch Sprechstunden in zwei sehr kleinen Dörfern, die besonders von alten Menschen genutzt werden, die nicht mal eben in die Praxis im nächsten Ort fahren können. Auch das fand ich sehr interessant, weil es dort bis auf die Hausbesuchstasche, den mitgebrachten Laptop mit der Praxissoftware und einer Patientenliege nichts gab – wir mussten also tatsächlich mit den Händen, dem Stethoskop und gesundem Menschenverstand arbeiten. So hatte ich mir das erhofft! Eine weitere Aufgabe „meines“ Landarztes war auch noch die Visite im Altenheim, wo ich auch mitgekommen bin. Die Patienten haben sich teilweise richtig gefreut, dass ihr Arzt ein Mal die Woche rumkommt und sie mit ihm ein bisschen quatschen können, zumal es für viele ja auch seit Jahren der Hausarzt ist.
Ich könnte noch einiges mehr erzählen, aber ich denke das ist nicht besonders interessant. Es hat mir auf jeden Fall Spaß gemacht, mal bei einem „richtigen“ Landarzt reinzuschnuppern und es war die reine Freude, wie viel Spaß der Arzt (und auch die Ärztinnen natürlich) an seiner Arbeit hatte. Es war das erste Mal, dass ich mir Allgmemeinmedizin wirklich vorstellen konnte!
Fazit: Wenn ihr könnt, dann macht das Allgemeinmedizinpraktikum unbedingt bei einem Landarzt! Klar, man fährt dafür dann vielleicht mal ein bisschen, aber man bekommt dafür auch einen tollen Einblick in einen wirklich schönen Beruf. Wenn euer Arzt dann auch noch so motiviert ist wie meiner, dann könnt ihr richtig was lernen. Und vor allem: Ärgert euch nicht, dass ihr 6 Wochen Allgmeinmedizin machen müsst im Studium, man kann das ganze wirklich interessant gestalten und wenn man sich gut anstellt, wird man viel mehr eigenständig arbeiten und denken dürfen, als man es im Krankenhaus tut.

So viel zu den Praktika, der Rest des achten Semesters folgt. 😉

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