Fächer der Vorklinik

Hier mal eine nicht ganz so kleine Liste von dem, was auf euch zukommt, wenn ihr Medizin studiert. Ist natürlich noch nicht vollständig und vor allem: „etwas“ subjektiv und natürlich erstmal nur auf meine Uni anwendbar. Aber ich denke, es kann trotzdem helfen.

Anatomie  –  der Aufbau des Körpers, wie wir ihn mit bloßem Auge erkennen können.

Vorlesungen: Die wichtigsten Themen zusammengefasst. Je nach Dozent mehr oder weniger spannend, aber recht nützlich. Mitzuschreiben wird wahrscheinlich schwierig, weil es doch recht schnell geht. Mir hat es mehr geholfen einfach zuzuhören und es mir hinterher im Buch anzuschauen. Hier gibt’s am Ende jedes Semesters eine Klausur.

Seminar: Eine Stunde die Woche, die man in einer kleineren Gruppe (bei uns so 20 Leute) mit einem Dozenten verbringt. Hier kann man fragen stellen, wenn man etwas noch nicht ganz verstanden hat, aber man sollte sich auf jeden Fall vorbereiten! Mir haben die Seminare sehr gut gefallen, da man in einer kleineren Gruppe wesentlich mehr versteht als in der Vorlesung und es ist natürlich individueller. Von mir aus könnte man dafür mehr Zeit einplanen, eine Stunde ist wirklich kurz! Edit: Es kommt doch sehr auf den Seminarleiter an. Den ersten fand ich klasse, der Zweite ist jetzt leider mehr geht so.
Es gibt mehrere Testate (mündliche Prüfungen) zu verschiedenen Themen, diese sind aber je nach Uni unterschiedlich aufgeteilt.

Präpkurs: Ein Körperspender, eine Seminargruppe, viel Gewusel. Bei uns wurden die Gebiete nach Vorder- und Rückseite gestaffelt, sodass es sehr voll ist im Kurs. Hier kann man die Anatomie recht gut studieren und dies sollte man auch tun, denn man wird über das Gebiet geprüft, das man präpariert. Bei uns hat jeder ein Gebiet „außen“ bekommen – also eine Stelle am Arm, Bein oder Rumpf – und eine „innen“ – also ein Organ bzw. die Umgebung der Organe. Ich persönlich mochte den ersten Teil nicht so sehr, aber Organe sind sehr interessant. Es gibt bei uns auch jeweils eine Situseröffnung zu Thorax und Bauch: Ziemlich cool, weil man nicht weiß, was einen so erwartet.

Berufsfelderkundung – Sammlung verschiedener Praktika

Zur Erkundung der verschiedenen Fachbereiche gibt’s bei uns eine Vorlesungsreihe und man muss an drei verschiedenen Praktika teilnehmen. Das kann sehr spannend sein, wenn man an die richtigen Leute kommt.

Biochemie – Wie funktioniert der ganze Kram denn jetzt eigentlich? (klein)

Biochemie ist das Lieblingsfach von so ziemlich jedem. Nicht. Wahrscheinlich wäre es recht spannend, wenn man nicht noch tausend andere Sachen lernen müsste und daher für Biochemie wenig Zeit aufbringt. Außerdem ist es ehrlich gesagt wirklich so, dass man das Ganze nach dem Physikum nie wieder braucht, außer man macht was mit Biochemie/Molekularmedizin… Das bestätigen mir zumindest sämtlicher Kliniker verschiedener Fachsemester.

Auch hier gibt es eine Vorlesungsreihe, die mal mehr, mal weniger spannend ist. Vieles ist eben relativ trocken und das liegt den Wenigsten wirklich gut.

Das Seminar ist ganz hilfreich, weil man noch mal alle Fragen klären kann, die zu dem jeweiligen Thema aufgekommen sind. Wenn man sich denn vorbereitet hat – wie gesagt. Die Klausur dazu war sauschwer, was sich auch in der Durchfallquote niedergeschlagen hat. Hab die Nachklausur bestanden, bin zufrieden damit. Wir haben Biochemie 1 und 2, wobei ich den zweiten Teil im dritten Semester spannender finde (und einfacher…).

Es kommt noch ein Praktikum dazu, das bei uns in den Semesterferien statt findet. Wir hatten sechs Versuche zu verschiedenen Themen und zu jedem ein mündliches Testat. Ist eigentlich ganz spannend, nur hat man durch die Testate natürlich mehr Druck, als schön (und angebracht!) wäre.

Im vierten Semester hatten wir dann noch das Seminar mit klinischem Bezug, da hat man dann zum Beispiel Krankheiten der Schilddrüse bearbeitet oder Fallbeispiele zu Gerinnungsstörungen  bearbeitet. Ist tatsächlich größtenteils spannend!

Biologie – Prokaryot, Eukaryot, Endoplasmatisches Retikulum und so…

Zuerst nur eine Vorlesungsreihe. Anfangs kommt man gut mit Abiturwissen klar, deshalb bin ich nicht sehr oft hingegangen. Das lag aber unter anderem auch an der wirklich schlechten Vortragsweise der meisten Dozenten, nur einer wusste zu faszinieren. Man sollte für die doch sehr speziellen Fragen besser ein Lehrbuch zur Hand haben (und Altklausuren schaden auch nicht…). Die Klausur war nicht ganz so einfach, wie vermutet, aber trotzdem gut machbar.

Dazu kommt ein Praktikum, das ich persönlich total gut fand. Andere fanden es langweilig, naja, jedem das seine. Wir haben Versuche zur Bakterienvermehrung, zur PCR und verschiedene kleine Messungen an uns selbst gemacht. Wie gesagt, ich fand’s cool!

Chemie – Strukturformeln und verwirrende Trivialnamen…

Wieder eine Vorlesungsreihe, in der man aber wirklich gut mitkommt, wenn man Chemie in der Oberstufe hatte. Leider sind die Fragen nicht so einfach zu beantworten, da sie oft wenig mit dem Gelernten zu tun haben. Da hilft wohl bei den Meisten nur Altfragen kreuzen und das System verstehen.

Es gibt auch ein Seminar, das aber sehr Tutorenabhängig ist. Unser Seminar bringt leider nicht so viel, aber der Tutor hat sich hinterher noch mal Zeit genommen und sich mit den Nachschreibern getroffen, um Fragen im kleinen Kreis klären zu können, das fanden alle sehr nett und hilfreich. Es wird auch hier eine Klausur geschrieben.

Zum Praktikum: Naja. Drei von fünf Tagen waren okay, da die Tutoren hier sich Zeit genommen haben (nehmen konnten) und alles super verständlich erklärt haben. Die anderen beiden Tage waren die Hölle; total vollgepackt mit mehr Versuchen, als man in der Zeit schaffen konnte und teils mit extrem unfreundlichen und unmotivierten Tutoren. Man merkt: Die haben keinen Bock auf uns.

Einführung in die klinische Medizin (EKM) – eben genau das.

Man muss ca. 30 Stunden verschiedene kleine oder große Kurse belegen. Man kann beispielsweise lernen wie man periphere Zugänge legt, Ultraschall macht oder sich Vorträge zu verschiedenen Themen anhören. In zweiten Jahr gibt’s dann auch Kurse zu Herzerkrankungen und ähnlichem. Ist total spannend, aber die interessanten Sachen sind immer sehr schnell belegt – schnell sein!

Histologie – Hier schauen wir uns die Strukturen des Körpers unter dem Mikroskop an.

Es gibt eine kurze Vorlesungsreihe, in der die verschiedenen Gewebetypen erklärt werden – also zum Beispiel die unterschiedlichen Binde-, Muskel- und Knochengewebe. Diese war aber bei uns so schnell runtergerattert, dass man leider nichts wirklich mitnehmen konnte.

Spannender ist der Mikroskopierkurs, wo man selber Präparate anguckt und die verschiedenen Strukturen vergleichen kann. Allerdings ist auch hier ein sehr hohes Tempo angeschlagen, man muss also gut vor- und nachbereiten. Wir haben mehrere kleine Testate statt einer großen Klausur, was ich sehr angenehm finde. Der Kurs geht bei uns über zwei Semester plus noch ein paar Tage im dritten, das geht an anderen Unis in deutlich kürzerer Zeit hab ich mir sagen lassen.

Medizinische Psychologie/Soziologie – kurz Psych/Soz

Mal wieder eine Vorlesungsreihe und ein Seminar. Wir müssen in unserem Seminar jeder ein Referat vorbereiten, was ich eigentlich ganz gut finde, dann hört man auch mal andere Leute reden, als den Dozenten. Allgemein kann man sagen, dass es hier spannende Themen gibt (die sind aber glaube ich nicht Klausurrelevant…) und weniger spannende (der sehr wichtige, klausurrelevante, staubtrockene Theorieteil zum Beispiel). Ich finde das Fach an sich gar nicht so schlimm, wie angekündigt. Aber mal wieder auch hier: Nicht der tollste Seminarleiter.

Dann gibt es noch den Kurs, der sich tatsächlich mit relevanten Dingen wie Arzt-Patienten-Kommunikation beschäftigt. Die ersten paar Kurstage fand ich echt gut, aber danach wiederholt sich einfach nur immer alles. Einer macht ein Patientengespräch und der Rest darf rumsitzen und zugucken… Nun ja, es gibt zumindest Schlimmeres! Auch gibt es eine weitere Vorlesungsreihe, auf der dann die Klausur beruht (Zitat: „Die Vorlesungen bereiten Sie auf die Klausur vor, der Kurs auf das Leben!“).
Zusammenfassend lässt sich sagen: nice try.

Physik – Lustige Versuche mit verrückten Formeln…

Auch hier eine sehr schöne Vorlesungsreihe mit vielen Experimenten – toll anzusehen! Verstehen tut man aber leider nicht all zu viel, wenn man mit Physik wenig am Hut hat (so wie ich), aber ich habe gehört mit (verstandenem) Abiwissen geht es auch hier. 😉

Dann gibt es noch ein Physikpraktikum, in dem man ein paar mehr oder weniger spannende Versuche machen muss. Mit den meisten Tutoren geht es gut, die wollen einen auch nicht durchfallen lassen für gewöhnlich. Bei uns gab es zu der Hälfte der Versuche je eine kleine mündliche Prüfung, die aber bei den Meisten wirklich einfach war! Also keine Angst, so schlimm ist das Praktikum nicht. 😉
Aber auch hier gibt’s natürlich eine Klausur.

Physio – Wie funktioniert das ganze denn jetzt eigentlich? (groß)
Auf Physio hab ich mich am Meisten gefreut, denn das ist endlich das, was ich eigentlich so spannend finde an der Medizin. Natürlich gibt’s auch hier wieder eine Vorlesungsreihe, die je nach Dozent okay bis grandios ist. Bei manchen muss man wirklich kaum noch nacharbeiten, weil man schon in der VL alles verstanden hat, bei anderen ist es zumindest ganz hilfreich. Alle geben sich sehr viel Mühe, uns die teils echt schwierigen Themen schmackhaft zu machen. Gibts bei uns pro Semester zwei Klausuren, die aber machbar sind.
Das Seminar im dritten Semester fand ich ziemlich gut, der Seminarleiter war sehr nett und konnte mit sehr viel Wissen beeindrucken. Wir haben jede Woche einen kleinen Vortrag gehört, was das Ganze noch mal etwas aufgelockert hat. Der Seminarleiter dieses Semester scheint sogar noch cooler zu sein, ich lass mich mal überraschen. Edit: Stimmt! Der war wirklich genial!
Dann gibt es da noch das Praktikum, das ist manchmal echt anstrengend… Es gibt 14 Praktikumstage a 4h am Stück, da liegt auch schon das Problem. Die meisten Räume in unserem Institut sind recht klein und stickig, wenn man da dann mit 18 Leuten drin sitzt ist das nicht wirklich schön. Man muss insgesamt mindestens zwei Testate ablegen, das wird am Anfang jedes Tages gelost. Ich habe schon zwei hinter mir, vielleicht bleibe ich also dieses Semester verschont. Die Themen sind fast alle echt spannend und man kann viele tolle Sachen ausprobieren: Von Doppler-Sonographie über verschiedene EKGs, einem Kipptischversuch und Hörtests bis hin zu Clearance-Bestimmungen und verschiedenen Belastungstests. Das Meiste ist sehr, sehr cool, wenn halt eben auch anstrengend.

Termi – „Lateinkurs“, wobei man nur Nominativ und Genitiv braucht.

Der Kurs ist für alle, die Latein hatten ein Witz. Wirklich. Und die Klausur ist pipifax… Für alle die kein Latein hatten: Man lernt die verschiedenen Deklinationen – also welche Endung kommt wann an ein Wort – und eben die wichtigen Wörter. Ich kann allen empfehlen: Lernt die Wörter auch wirklich, das hilft bei Anatomie und später bei Patho garantiert. 😉

4 Gedanken zu „Fächer der Vorklinik

  1. da fehlt aber noch medizinische Soziologie, medizinische Psychologie, Physiologie, Biochemie, … zumindest für die ersten vier Semester 😉 (grad Physio und Biochemie wirst du noch „lieben“ lernen)

    Und dann natürlich die 50 Fächer, die im klinischen Abschnitt auf dich warten – aber wie du schon sagst, das kommt zur rechten Zeit alles auf dich zu (aber es wird besser als die ersten vier Semester!)

    • Hallo stega,
      wie im ersten Satz ja bereits steht: Die Liste ist natürlich nicht vollständig! Ich dachte nur es hilft anderen vielleicht, eine kleine – wenn auch subjektive – Beschreibung zu den Fächern zu haben. Denn nur eine Aufzählung kann man ja auch in der Studien- und Approbationsordnung finden. 😉

      • du hast ja Reeeeechht 😉 Aber dass du gerade DIESE überaus wichtigen und eindrücklichen (*höhö*) Fächer nicht aufgelistet hast, das schmerzt jeden Professor für Soziologie oder Psychologie. (*ironieoff*)

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