Achtes Semester – Teil 2

Nun zu den restlichen Fächern des achten Semesters. Zum einen war da das Thema Rheumatologie. War vorher nicht mein Thema, ist hinterher noch immer nicht wirklich mein Thema. Leider war die Vorlesung nicht besonders gut, da mal wieder nur Folien abgelesen wurden und das schmälert meine Motivation einfach total. Wenn der Dozent selber keinen Bock hat, ist es halt blöd. Schön waren aber die Seminare, da hatten wir einen sehr sehr engagierten jungen Facharzt, der sich wirklich Mühe gegeben hat und der uns einige Sachen noch mal näher gebracht hat, die wir in der Vorlesung noch nicht richtig verstanden hatten. Leider hat das für die Klausur nicht genug gebracht, ich hab zwar bestanden, aber die angestrebte eins in Innerer Medizin schaffe ich jetzt nicht mehr… 😀 Ja ich weiß, ist völlig egal, aber ich hab ja doch Ehrgeiz. 😉

Nächstes Thema: Dermatologie. Nun ja. Wer mich auf Twitter liest, wird es mitbekommen haben: Die Lehre fand ich wirklich gut! Das Praktikum hat wider Erwarten Spaß gemacht und wir konnten viele interessante Krankheitsbilder sehen und haben – dachte ich zumindest – viel gelernt. Auch die Vorlesung war spannend, da die Dozenten einigermaßen motiviert waren, uns ihr Fach näher zu bringen. Und was passiert dann? In der Klausur wird Facharztwissen abgefragt. Ohne Scheiß, selbst die Ärzte im Praktikum haben gesagt, dass sie viel nicht auf Anhieb beantworten konnten und die Fragen wirklich schwer fanden. Aber natürlich hat jeder Fragesteller das auf den Folien gehabt, klar. Das passt schon. Aber es ist halt scheiße, wenn auf 80 Seiten was zur Psoriasis vulgaris steht, man dann aber zu einer seltenen und auf nur zwei Seiten behandelten Sonderform befragt wird. Was soll denn sowas? Ich hoffe mal, die Nachklausur kriege ich hin, wenn man nach fünf Jahren wegen Derma am Studium hängen bleibt, wäre das doch wirklich völlig absurd!

Aber genug des Meckerns, jetzt komme ich zum interessanten Teil: Ich glaube ich weiß jetzt, was ich machen will. Es gab da nämlich noch drei Themen, die sich sogar sehr gut ergänzen: Unfallchirurgie, Orthopädie und Rehabilitative Medizin. Wow. Das war mal richtig cool! Reha haben die meisten meiner Kommilitonen natürlich belächelt, aber ich fand es wirklich spannend. Wir haben zum Beispiel viel zu Naturheilverfahren gelernt, die übrigens nichts – gar nichts! – mit Globuli zu tun haben. Dazu habe ich dann auch gleich noch eine Seminarreihe belegt und muss sagen, dass das schon eine ziemlich coole Sache ist. Allein schon, dass wir alles ausprobieren durften: Einen Tag probierten wir aus, was verschiedene Bäder und Güsse für Auswirkungen auf den Körper haben, am nächsten Tag testeten wir verschiedene Stromtherapien. Cool! Der Physiotherapieteil ist natürlich auch super, vor Allem wenn immer irgendwer massiert wird! 😉
Aber Reha, ich weiß ja nicht. Ich hab zwar früher schon mal überlegt, ob ich nicht Physiotherapeutin werden will, aber das hätte ich ja machen können. Dafür muss ich jetzt nicht unbedingt studieren. Aber wer weiß, vielleicht ändert sich das noch.

Noch besser war Unfallchirurgie, die Vorlesung war sehr spannend, allein schon wegen der Bilder natürlich. Während meine Sitznachbarin regelmäßig würgen musste, war ich hauptsächlich fasziniert und hätte gerne selber dran rumgebastelt. Also wohl doch Chirurgin, tja nun. Es gab dazu leider keine weiteren Kursangebote, aber nächstes Jahr gibt es mal wieder eine Tagesveranstaltung zum Thema.

Aber was mich wirklich fasziniert hat – hätte mir das vorher einer gesagt, ich hätte gelacht! – war Orthopädie. Was für ein cooles Fach! Mich hat vor allem fasziniert, wie vielfältig das Fach ist. Es gibt nicht nur Herz oder Darm, sondern Hände oder Wirbelsäulen oder Knie. Es gibt zwar größtenteils Arthrose bei älteren Menschen, aber es gibt eben auch Schäden bei Sportlern, es gibt angeborene Fehlstellungen bei Säuglingen und zum Beispiel Skoliosen bei größeren Kindern. Es gibt wahnsinnig viele Möglichkeiten, sich zu spezialisieren oder halt eben nicht. Man kann sich ja eben so gut niederlassen, der Bedarf an Orthopäden wird in den nächsten Jahren sicher nicht abnehmen. Und wenn man Lust auf puzzeln hat, wie oben: Unfallchirurgie und Orthopädie sind ja auch noch eine gemeinsame Facharztausbildung. Sehr, sehr cool. Und wie gut, dass ich aus Gründen noch zwei Famulaturen machen muss, ich weiß wo eine davon sein wird. In der Klinik waren wir im achten Semester auch mehrfach und ich muss sagen, es war das erste Mal, dass alle Mitarbeiter wussten, dass Studenten kommen. Sie waren vorbereitet und vor allem: Nett! Das Klima war wirklich gut, man hat gemerkt, dass sich dort respektiert wird. Und denen hat die Lehre auch einfach wirklich Spaß gemacht, genauso wie mir und meinen Kommilitonen dadurch. Wenn alle Fächer so wären, würde das Studium bedeutend mehr Spaß machen!

Das achte Semester war bisher definitiv mein Lieblingssemester! Wenn man von der einen blöden Klausur mal absieht, hat das Meiste tatsächlich mal Spaß gemacht und es gab wenig unmotivierte Dozenten. So stelle ich mir das vor!

Advertisements

Achtes Semester – Teil 1

Time flies! Schon wieder sind einige Monate vergangen und ich habe nichts geschrieben. Heute möchte ich noch mal das achte Semester rekapitulieren, es gab viele interessante Themen und tatsächlich weniger zu meckern als sonst! Das achte Semester ist bei uns in Blöcke aufgeteilt, einmal den Vorlesungsblock und dann sowohl zwei Blöcke Praktikum, als auch zwei Blöcke Seminare.

Fangen wir mit den Praktikumsblöcken an, hier hatten wir Innere, Chirurgie und Allgemeinmedizin. Innere war leider nicht sehr spannend, wir haben den ganzen Vormittag Blut abgenommen und dann ewig Visite gemacht, da es teilweise nur einen Arzt gab, hat das auch ewig gedauert. Naja. Schade fand ich auch, dass wir wieder auf der gleichen Station waren, wie vorher schon. Ich finde Kardio zwar spannend, aber ich hätte mir auch gerne noch mal was anderes angeguckt. Allerdings war das ganze auch wieder gut für die Routine, Blutabnehmen und Aufnahmegespräche/-untersuchungen macht man ja im PJ auch hauptsächlich, es schadet also nicht.
Das Chirurgie Blockpraktikum fand ich super! Ich war mit einer Kommilitonin auf der Gefäßchirugie und wir durften an drei von fünf Tagen in den OP, wo wir auch assistieren durften. Nur zu zweit zu sein war da sehr vorteilhaft, die anderen Gruppen waren wesentlich größer, sodass nicht jeder assistieren konnte. Gut, bei uns war das assistieren jetzt nicht herausragend spannend, da richtige Mitarbeit nur bei zwei Amputationsresektionen möglich war, aber steril mit am Tisch stehen finde ich allgmeien schon mal ziemlich cool, vor allem weil die Chirurgen wirklich nett waren und alles sehr ausführlich gezeigt und erklärt haben. Übrigens, den Klassiker gab es auch: Wenn der Chirurg „Ach scheiße“ sagt, sollte man schon mal Kompressen bereit legen. Er hatte in dem Moment nämlich leider seinen vorher 45 Minuten lang präparierten Bypass zerissen. Ziemlich ärgerlich und vor allem ziemlich blutig… Aber keine Sorge, er hat ihn am Ende vernünftig gelegt bekommen und wir waren immerhin noch pünktlich zum Mittagessen. Die anderen beiden Tage haben wir mit der Wundschwester verbracht und haben viele verschiedene Verbände gezeigt bekommen und durften diese auch selber wechseln. Das ist spannender, als es sich anhört! Verbandwechsel ist zwar jetzt nicht unbedingt Hexenwerk, aber es gibt doch einiges zu beachten und wahnsinnig viele verschiedene Möglichkeiten, wie so ein Verband aussehen kann.
Alles in Allem durften wir also relativ viel machen, dafür dass wir nur eine Woche da waren und ich denke, ich habe auch ein bisschen was mitnehmen können.

Überrascht hat mich übrigens das Allgemeinmedizinpraktikum! Da ich nicht in die Stadt wollte, hatte ich ungefähr eine halbe Stunde Anfahrt, aber das hat sich wirklich gelohnt! Meine Praxis bestand aus drei Allgemeinmedizin-Fachärzten und einer Weiterbildungsassistentin und war in einem ganz hübschen, sagen wir mal mittelgroßen, Dorf – man brauchte immerhin fast zwei Minuten von einer Seite zur anderen mit dem Auto! Ich hatte vor Allem Kontakt mit dem Arzt, der mich auch am ersten Tag in Empfang nahm und mir erstmal alles zeigte und meine Erwartungen erfragte. Ich sagte ihm recht ehrlich, dass ich mir nicht sehr viel erwartete, aber die Landarztpraxis gewählt habe, weil ich mir da die größten Chancen ausrechnete, wirklich mal einen weiten Überblick über Allgmeinmedizin zu bekommen. Challenge accepted!
Gleich am ersten Tag durfte ich wirklich mitarbeiten, mir Therapien überlegen und auch gleich „handwerklich“ tätig werden, als ein Patient mit Schulterschmerzen kam und von mir dagegen „gequaddelt“ wurde (Das heißt, dass ich ihm ein Schmerzmittel unter die oberste Hautschicht gespritzt habe). Da er noch zwei Mal wieder kommen sollte, konnte ich das sogar gleich mehrfach üben.
Außerdem wurde ich täglich zu Hausbesuchen mitgenommen, was sehr sehr spannend war. Eine Situation ist mir da besonders in Erinnerung geblieben und wird einen eigenen Beitrag bekommen. Neben der Praxis im großen Dorf gab es auch noch Sprechstunden in zwei sehr kleinen Dörfern, die besonders von alten Menschen genutzt werden, die nicht mal eben in die Praxis im nächsten Ort fahren können. Auch das fand ich sehr interessant, weil es dort bis auf die Hausbesuchstasche, den mitgebrachten Laptop mit der Praxissoftware und einer Patientenliege nichts gab – wir mussten also tatsächlich mit den Händen, dem Stethoskop und gesundem Menschenverstand arbeiten. So hatte ich mir das erhofft! Eine weitere Aufgabe „meines“ Landarztes war auch noch die Visite im Altenheim, wo ich auch mitgekommen bin. Die Patienten haben sich teilweise richtig gefreut, dass ihr Arzt ein Mal die Woche rumkommt und sie mit ihm ein bisschen quatschen können, zumal es für viele ja auch seit Jahren der Hausarzt ist.
Ich könnte noch einiges mehr erzählen, aber ich denke das ist nicht besonders interessant. Es hat mir auf jeden Fall Spaß gemacht, mal bei einem „richtigen“ Landarzt reinzuschnuppern und es war die reine Freude, wie viel Spaß der Arzt (und auch die Ärztinnen natürlich) an seiner Arbeit hatte. Es war das erste Mal, dass ich mir Allgmemeinmedizin wirklich vorstellen konnte!
Fazit: Wenn ihr könnt, dann macht das Allgemeinmedizinpraktikum unbedingt bei einem Landarzt! Klar, man fährt dafür dann vielleicht mal ein bisschen, aber man bekommt dafür auch einen tollen Einblick in einen wirklich schönen Beruf. Wenn euer Arzt dann auch noch so motiviert ist wie meiner, dann könnt ihr richtig was lernen. Und vor allem: Ärgert euch nicht, dass ihr 6 Wochen Allgmeinmedizin machen müsst im Studium, man kann das ganze wirklich interessant gestalten und wenn man sich gut anstellt, wird man viel mehr eigenständig arbeiten und denken dürfen, als man es im Krankenhaus tut.

So viel zu den Praktika, der Rest des achten Semesters folgt. 😉